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Heimatgemeinde Herrmansthal
Gemeindebetreuer: Rudolf Simm Bgm.-Ebner-Str. 12 86316 Friedberg b. Augsburg Tel. 0821-78 13 39 mail:
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Zur Lage Etwa 11 km südlich von Reichenberg in der Talsenke des Baierbaches zwischen dem breiten Rücken des Jaberlichen Berges (683 m) mit dem Riesenfass auf der einen Seite und der Kuppe des Spitzberges (643 m), dem späteren Kaiserstein, bei Kohlstatt auf der anderen Seite liegt die Gemeinde Hermannsthal.
Zur Gründung Die Besiedlung von Hermannsthal dürfte nach Dr.Hans Dittrich um das Jahr 1300 erfolgt sein, als ein Lokator (Siedelmann) wohl mit Namen Hermann im Auftrag seiner Herrschaft in dem Tal ein “Waldhufendorf“ anlegte und durch sog. „Trejben“ getrennte Feldstreifen zur Rodung und Bebauung an die Siedler verteilte. Unser Dorf war früher dem Gute „Siebendörfel“ der Herrschaft Böhmisch-Aicha angeschlossen, wo die Amtssprache tschechisch war, und so erscheint der Ort urkundlich erstmals im Jahre 1543 unter dem Namen Jermanic in den Aufzeichnungen der Böhmischen Landtafel.
Zur Besiedlung und Geschichte Nach 1370 ist der Ort wohl vorübergehend von Tschechen besiedelt worden, wie aus Urkunden von tschechischen Pfarrern geschlossen werden kann. 1547 hat das Dorf knapp ein Drittel deutsche Namen. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) und in der Zeit der Gegenreformation danach wanderten viele Bewohner dieser Region ihres Glaubens wegen aus. Erst durch einen Erlass des Johann von Heistern 1651 konnten unter Gewährung von Privilegien wieder neue katholische Siedler aus dem Alpenraum und dem Schwarzwald für diese entvölkerten Gegenden gewonnen werden. Der Ort wurde im Dreißigjährigen Krieg und in den schlesischen Kriegen auch heimgesucht und musste teilweise hohe Kontributionen leisten. Empfindlicher traf es die Bewohner von Hermannsthal aber während des „Bruderkrieges“ 1866. Vom 25.Juni bis 30.Juni 1866 mussten beim Vormarsch der preußischen Truppen Tausende Soldaten untergebracht und versorgt werden. Der Schaden von rund 7000 Gulden war für die Gemeinde beträchtlich. Der Erste Weltkrieg brachte viel Entbehrungen, Hunger und Not. Am Ende des Krieges hatte der Ort 24 Gefallene zu beklagen und mit der Tatsache fertig zu werden, dass seine Bewohner nun gegen ihren Willen in die I.Tschechoslowakische Republik einverleibt wurden. Der Anschluss 1938 an das Deutsche Reich wurde auch deshalb von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung begeistert begrüßt. Er sollte ihnen kein Glück bringen. Der Zweite Weltkrieg hatte mit 39 Gefallenen und mit der unsäglichen „wilden Vertreibung“ der völlig ahnungslosen Bevölkerung innerhalb weniger Stunden am 16.Juni 1945 ein schlimmes Ende gebracht.
Name des Ortes Im Laufe der Jahrhunderte finden sich je nach Besiedlung auch verschiedene Namen für den Ort wie Hermanice, Jermanice, Gerschmenz, Germanitz, schließlich Jerschmanitz. Auf Anregung des Lehrers Töpper wurde von der überwiegend deutschen Bevölkerung des Ortes bei der k.k. Statthalterei in Prag 1894 der Antrag auf eine Namensänderung gestellt, dem 1897 stattgegeben wurde. Von 7.6.1897 bis Mai 1945 hieß das Dorf dann Hermannsthal. Der heutige tschechische Ort Jermanice gehörte nach 1945 eine zeitlang zu Liberec(Reichenberg); ab 1993 ist er wieder selbständig.
Jahr mit Einwohnerzahl (einschl.Kohlstatt)
1787 → 1060 1834 → 1841 1843 → 1640 1850 → 2215 1869 → 1794 in 260 Häusern 1880 → 1636 1890 → 1481 1897 → 1481 in 270 Häusern 1900 → 1336 1910 → 1239 nur deutsche Einwohner 1921 → 988 1930 → 1112 in 252 Häusern 1939 → 938 (ohne Kohlstatt) 1945 → um 950 1970 → 394 (ohne Kohlstatt)
Große Reichtümer waren in Hermannsthal nicht zu gewinnen. Neben der Landwirtschaft auf kargem Boden, dem Handwerk und der Handweberei waren es die Heimarbeiten in der Gablonzer Industrie oder die Beschäftigung in den Fabriksbetrieben der angrenzenden Orte, die zumeist ein spärliches Einkommen sicherten.
Wichtige Gebäude Die barocke St.-Anna-Kirche für die überwiegend katholische Bevölkerung wurde 1764 eingeweiht und beherrscht den Ortskern. Sie unterstand dem fürstlich Rohan’schen Patronate in Sichrov. Die Kirche verfiel nach 1945 immer mehr und wurde innen ausgeraubt. 2009 wurde sie mit Hilfe von EU-Geldern außen renoviert. 2003: Einweihung des von den ehemaligen deutschen Bewohnern von Hermannsthal renovierten Hochkreuzes am Friedhof (mit noch deutschen Gräbern) und einer Gedenktafel mit folgender Inschrift in deutscher und tschechischer Sprache: Im Gedenken an ihre Verstorbenen und an alle Opfer von Krieg und Gewalt Die ehemaligen deutschen Bewohner von Hermannsthal
Eine Filialschule, später Pfarrschule gab es seit 1767. 1876 wurde ein neues Schulgebäude eingeweiht; die Schule wurde nach 1945 aufgelöst. Die Räume werden heute von der Gemeinde anderweitig genutzt.
Verkehrsverhältnisse Neben einer Bahnverbindung nach Reichenberg und Turnau aus dem 19.Jahrhundet mit eigener Bahnstation Langenbruck-Hermannsthal ging schon im 15.Jahrhundert am Hang des Jaberlich die „Alte Straße“ am Dorf vorbei. Sie wurde 1825 durch die Reichsstraße, auch Kaiserstraße genannt, abgelöst, die Reichenberg mit Turnau und Prag verbindet. 1875 wurde eine Bezirksstraße mitten durch den Ort der Bestimmung übergeben mit Anschlüssen nach Langenbruck, Maffersdorf, Kohlstatt, Radl und Liebenau. Seit den 1970er Jahren führt eine neu gebaute Autobahn von Reichenberg nach Prag östlich von der Bezirksstraße ziemlich nahe am Ort vorbei mit eigenem Anschluss.
Vereinsleben Nach 1859 blühte in der österreichischen Monarchie das Vereinswesen auf, nachdem eine liberalere Verfassung geschaffen worden war. So kam es in der Folgezeit auch in Hermannsthal zu zahlreichen Vereinsgründungen: 1871: Der Feuerwehrverein 1876: Der Saatgängerverein 1876: Der Deutsche Turnverein „Friesen“ 1877: Der Gesangverein „Frohsinn“ 1882: Der Militärveteranenverein 1888: Der Landwirschaftliche Verein 1896: Der Radfahrerverein 1898: Der Arbeiter-Turnverein 1900: Der Schulverein 1900: Der Raiffeisenkassenverein u.a.
Das über Jahrhunderte deutsche Dorf Hermannsthal hatte am 16.Juni 1945 mit dem Beginn der Vertreibung der deutschen Bevölkerung endgültig zu bestehen aufgehört.
Rudolf Simm


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